{"id":337,"date":"2020-08-07T09:33:04","date_gmt":"2020-08-07T09:33:04","guid":{"rendered":"http:\/\/elster-pr.de\/?page_id=337"},"modified":"2020-08-07T09:33:04","modified_gmt":"2020-08-07T09:33:04","slug":"faszination-garderobenmarken","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/die-garderobenmarke.de\/?page_id=337","title":{"rendered":"Faszination Garderobenmarken"},"content":{"rendered":"\n<p>Nichts scheint harmloser als eine Garderobenmarke. Doch hinter der freundlichen Fassade lauern hintergr\u00fcndige Fragen: H\u00e4ngt irgendwo ein einsamer Mantel, der auf Abholung wartet? Friert jemand gerade ganz erb\u00e4rmlich oder riskiert gar eine Lungenentz\u00fcndung? Wurde die Marke mutwillig entfernt oder war sie in den Tiefen der Taschen nicht mehr auffindbar? Warum ist sie jetzt hier, obwohl sie woanders seien m\u00fcsste? Es kann doch gar nicht sein! W\u00e4hrenddessen kichert die Garderobenmarke vor sich hin.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn es ist alles ganz anders: Institutionen verschwinden, \u00e4ndern den Namen oder stellen auf ein neues, g\u00fcnstigeres System um. Dann enden die gewissenhaften Garderobenmarken als billiger Tr\u00f6del und werden \u00fcber Online-Portale in die ganz Welt vertickt. Wo ist der einstige Stolz geblieben?<\/p>\n\n\n\n<p>Was bleibt, sind schlichte bis fantasievoll gestaltete Kunstwerke und ein Gru\u00df aus vergangener Zeit. Der Kopf f\u00fcllt sich mit Bildern: von festlich erleuchteten Foyers, mehr oder weniger entspannten Garderobieren, gro\u00dfen Roben oder der Vorfreude auf einen spektakul\u00e4ren Theaterabend. Die individualisierte Garderobenmarke ist ein Kind des 20. Jahrhunderts, als der Sparzwang noch nicht \u00fcberall angekommen, noch nicht alles durchrationalisiert war. M\u00e4ntel und Taschen wurden pers\u00f6nlich entgegengenommen und mit wachsamen Auge betreut. Bis heute gibt es Garderoben, doch meist mit neutralen Marken oder Papiertickets. Andernorts, zum Beispiel in Museen oder Bibliotheken, ist am Spind schon lange Schluss mit Service.<\/p>\n\n\n\n<p>Garderobenmarken sind ein Spiegel ihrer Zeit und ihrer Herkunft. Eine Marke der UDSSR aus den 30er Jahren und die gleichalte des franz\u00f6sischen Art decos haben au\u00dfer der Funktion nicht viel gemeinsam. Hier zeigen sich Lebensart, das Kulturverst\u00e4ndnis, technische und finanzielle M\u00f6glichkeiten und schlicht der jeweilige Geschmack. Nicht wenige Institutionen haben ihr Bed\u00fcrfnis nach Statussymbolen auf die Garderobenmarken ausgeweitet. Man g\u00f6nnt sich ja sonst nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>Jede Garderobenmarke ist ein Einzelst\u00fcck, das es mit genau dieser Nummer nie wieder auf der Welt gibt. Wohin wird es die Br\u00fcder und Schwestern verschlagen haben? Wie viele haben auf dem M\u00fcll ihr Leben beenden m\u00fcssen? Ob wertiges Messing oder g\u00fcnstiger Kunststoff \u2011 man sp\u00fcrt die Geschichte und versetzt sich intuitiv in Land und Leute hinein, w\u00e4hrend sich die \u00fcberlebende Marke ersch\u00f6pft, aber gl\u00fccklich in die Hand schmiegt. Wie viele H\u00e4nde mag sie im Laufe ihres beruflichen Lebens gesehen haben? Tausende und Abertausende. Standesunterschiede macht die Garderobenmarke dabei nicht. Egal, ob Promi oder Normalo \u2011 vor der Garderobe sind alle gleich. Zufall, wer die eine, wer die andere Marke bekommt. Zufall, ob die Marke Pfand f\u00fcr einen teuren Pelzmantel oder einen verschlissenen Trenchcoat wird. Damit erweisen sich die Garderobenmarken als wahrhaftig soziale Kraft. Einfach faszinierend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nichts scheint harmloser als eine Garderobenmarke. Doch hinter der freundlichen Fassade lauern hintergr\u00fcndige Fragen: H\u00e4ngt irgendwo ein einsamer Mantel, der auf Abholung wartet? 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