{"id":2356,"date":"2021-02-01T16:59:57","date_gmt":"2021-02-01T16:59:57","guid":{"rendered":"http:\/\/die-garderobenmarke.de\/?page_id=2356"},"modified":"2026-05-01T15:53:41","modified_gmt":"2026-05-01T13:53:41","slug":"aus-der-kriminalistik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/die-garderobenmarke.de\/?page_id=2356","title":{"rendered":"Aus der Kriminalistik"},"content":{"rendered":"\n<p>In der Vergangenheit stehen Garderobenmarken nicht selten im Zentrum von Straftaten. Zu behaupten, es w\u00e4re &#8222;alles au\u00dfer Mord&#8220; dabei, w\u00e4re deutlich \u00fcbertrieben. Diebstahl, Betrug und F\u00e4lschung sind die vorherrschenden Delikte. Aussagekr\u00e4ftige Kriminalstatistiken existieren nicht. Daher hier drei Beispiele des unsachgem\u00e4\u00dfen Umganges mit Garderobenmarken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>F\u00e4lschung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Als der A. im Theater an der Garderobe seinen Mantel auf Nr. 401 abgab, bemerkte er, da\u00df unmittelbar vor ihm ein Herr einen kostbaren Pelz auf Nr. 400 abgegeben hatte. A. \u00e4nderte darauf w\u00e4hrend der Vorstellung heimlich in der Nummer seiner Garderobenmarke die Ziffer 1 in 0 ab, verlie\u00df kurz vor Schlu\u00df der Vorstellung den Zuschauerraum und erhielt in der Garderobe gegen Hingabe der abge\u00e4nderten Marke statt seines abgetragenen Mantels den kostbaren Pelz, mit dem er sich eilig davonmachte.<\/p>\n<cite>Rechtsf\u00e4lle aus dem Strafrecht James Goldschmidt, 1930<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Offensichtlich handelt es sich in diesem Fall um eine gedruckte Papiermarke, da eine gepr\u00e4gte Garderobenmarke nicht so leicht zu f\u00e4lschen ist. Ebenso offensichtlich hat der T\u00e4ter (zuf\u00e4llig?) einen passenden Stift dabei. Um solche F\u00e4lschungen zu verhindern, wird bereits 1908 in Amerika ein <a href=\"https:\/\/die-garderobenmarke.de\/?page_id=2095\">Patent f\u00fcr f\u00e4lschungssichere Garderobenmarken<\/a> eingereicht, das wohl nicht seinen Weg nach Deutschland findet. Ein \u00e4hnlicher Fall der F\u00e4lschung tr\u00e4gt sich 1923 zu.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Haschke hatte sich auch Muster von Garderobenmarken fast aller Berliner Theater beschafft und die dazu geh\u00f6rigen Stempel. Die drei merkten sich die Garderobennummern derjenigen Leute, die besonders kostbare \u00dcberkleider abgaben. Dann fertigte Haschke mit Hilfe der Stempel und vorr\u00e4tigen Garderobenmarken die entsprechende Nummer an. Kurz vor Schlu\u00df der Vorstellung lie\u00df sich dann Haschke oder eine seiner Gehilfinnen die Garderobe herausgeben.<\/p>\n<cite>Berliner Volkszeitung, 29.M\u00e4rz 1923<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Diebstahl<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Bew\u00e4hrungsstrafe f\u00fcr die Dauer von eineinhalb Jahren mit einer angedrohten Freiheitsstrafe von neun Monaten bringt 1977 einem 32-j\u00e4hrigen Berliner die Selbstbedienung in einer Restaurantgarderobe ein.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Als er den Gastraum verlassen wollte, sagte er der Garderobiere Bescheid, die sich seltsamerweise dort und nicht auf ihrem Platz befand. Holger wartete eine ganze Weile. Und da weder die Frau erschien und er auch nicht beobachtet wurde, ging er selbst zu den Kleiderhaken, holte sich zuerst seinen eigenen Mantel und nahm bei dieser Gelegenheit zwei Herren-Wildlederm\u00e4ntel mit. Ungesehen verlie\u00df er damit das Lokal.<\/p>\n<cite>Neue Zeit, 16. Juni 1977<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Was anschlie\u00dfend passiert, ist einigerma\u00dfen verworren. Seiner Schilderung nach \u00fcbermannt ihn bald das schlechte Gewissen. Den einen Mantel wirft er im Park weg, den anderen will er dem Eigent\u00fcmer zur\u00fcckbringen. Da er Adresse und Schl\u00fcssel im Mantel findet, geht er hin und schlie\u00dft die Wohnungst\u00fcr auf, um den Mantel unbemerkt zur\u00fcckzulegen. Oder auch nicht. Da aber der Eigent\u00fcmer inzwischen auch zu Hause ist, flieht der Dieb mit dem Mantel und entsorgt auch diesen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Betrug<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aus einer Zeit, da gute M\u00e4ntel noch empfindlich teurer sind als Theaterkarten, stammt dieser Fall, der vor einem Berliner Theater beginnt und b\u00f6se endet. Die Berliner Zeitung \u00fcbertitelt den Bericht mit: &#8222;Traut den M\u00e4nnern nicht&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Stand ein junger Mann vor dem Theater, allein, aber mit zwei teuren Karten f\u00fcr die letzte Vorstellung. Kam eine junge Dame. Adrett sah sie aus in ihrem guten Wintermantel. An der Kasse ein Schild: Ausverkauft! \u201eDarf ich Sie einladen?&#8220; fragte der junge Mann mit den zwei Karten und murmelte etwas von \u201ezuf\u00e4llig&#8220; und \u201eversetzt worden&#8220; und \u201ees w\u00e4re doch schade drum&#8220;. \u2014 Sieht nicht \u00fcbel aus, dachte die junge Dame, und nahm dankend an. Ganz Weltmann, brachte er sie zur Garderobe, bezahlte als Grandseigneur f\u00fcr beide und nahm die Garderobenmarken an sich, legte sie sorgf\u00e4ltig in die Brieftasche \u2014 wie man es von einem Kavalier erwarten darf. Sie strahlte, denn wirkliche Kavaliere sind ja heute so selten. Kurz, es war wie im Theater. Dann wurde es dunkel und aus dem Weltmann ein Dunkelmann. Das blieb er auch bei Licht besehen; denn in der letzten Pause erhob er sich \u2014 ganz besorgter Kavalier \u2014 inzwischen die Garderobe zu holen. Da\u00df er sie holte, best\u00e4tigte nachher die Garderobenfrau. Bis hier war der junge Mann Gentleman, dann wurde er zum Dieb.<\/p>\n<cite>Berliner Zeitung, 17. Januar 1948<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Vergangenheit stehen Garderobenmarken nicht selten im Zentrum von Straftaten. Zu behaupten, es w\u00e4re &#8222;alles au\u00dfer Mord&#8220; dabei, w\u00e4re deutlich \u00fcbertrieben. Diebstahl, Betrug und F\u00e4lschung sind die vorherrschenden Delikte. Aussagekr\u00e4ftige Kriminalstatistiken existieren nicht. Daher hier drei Beispiele des unsachgem\u00e4\u00dfen Umganges mit Garderobenmarken. 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